Der Depri-Blog

Depression: Keine Renovierung, eher eine Sanierung !

So stell ich mir die Arbeit vor, die noch vor mir liegt. Mein Leben ist ein Haus, das nicht nur in die Jahre gekommen ist, sondern für den Bewohner (also für mich) auch gefährlich werden kann. Morsche Böden, Risse in den Wänden. Alter wurmstichiger Pfeiler, der nur noch mit Not das Obergeschoss halten kann.

So wird diese Arbeit an meinem Lebenshaus auch nicht in kurzer Zeit fertig sein. Je mehr ich von dem alten Boden entfernt habe, desto mehr sehe ich das mein Haus/Leben auf Sand gebaut ist. Nur eine kleine Holzschicht gaukelte mir Sicherheit vor. Auch einen Blick nach oben zeigte mir, dass es nicht mehr lange gedauert hätte und die Decke wäre auf mich herunter gefallen.

sanierung

Ich dachte nach meinem ersten stationären Aufenthalt, alles wäre wieder gut und ich brauche keine weiterführende ambulante Therapie. Doch nur weil ich etwas frische Tapete und Farbe für mein Leben genommen hatte, war der Untergrund trotzdem marode. Ergebnis, es bröckelte sehr schnell wieder an allen Ecken und Kanten.

Erst durch den 2. stationären Aufenthalt wurde mir klar, dass ich es hier mit einer Großbaustelle zu tun habe. Um wirklich weiter in diesem Haus leben zu wollen, reicht es eben nicht aus zum Baumarkt zu fahren und etwas Farbe und neue Tapeten zu holen. Die Statiker (Therapeuten) wiesen mich auf die markanten Stellen hin und versuchten mir zu helfen. Sie gaben mir die Aufgabe, eine Liste zu erstellen, die mir helfen sollte mein Lebenshaus wieder lebenswert zu machen.

Nach dem 2. stationären Aufenthalt nahm ich also die Hilfe eines ambulanten Statikers in Anspruch, da ich mit dieser Aufgabe allein völlig überfordert war. Immer wieder wurde ich durch immer neue marode Stellen überrascht. Manchmal fiel auch ein Stück der alten Fassade auf mich herunter, so das ich lange Zeit gar nicht fähig war, weiter an der Baustelle zu arbeiten. Der Statiker half mir dann wieder mit Tips und Tricks die richtige Reihenfolge einzuhalten, damit solchen Unfälle sich nicht anhäuften.

Derzeit bin ich immer noch im Erdgeschoss am Bauen. Wie lange es noch dauern wird und ob dieses gesamte Haus jemals komplett fertig sein wird, keine Ahnung. Ich wäre schon mal froh, wenn ich ein Stockwerk sicher für mich sanieren könnte. Es steckt noch viel Zeit und Arbeit darin. Ich weiß aber, es ist mein Haus/Leben und es lohnt sich!

P.S. Als nächstes hole ich mir erst mal einen vernünftigen Bauhelm! „Safety first!“ 

One Comment

  • Stefan

    Hallo Holger,
    sehr schön beschrieben. So in der Art könnte es ein Nachfolger zum schwarzen Hund werden.
    Könnte mir vorstellen, das es in Zusammenarbeit mit deinem Statiker zu einem Fotobuchprojekt werden könnte. Sozusagen ein Fotobuch über die Baustelle Depression.

    Viele Grüße Stefan

    P.S. Ich würde es kaufen

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