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Depression: (M)ein Erklärungsversuch Teil 2

Obwohl mich der erste Teil eine ziemliche Überwindung gekostet hat ihn nieder zu schreiben und zu veröffentlichen, geht es nun weiter. Ich habe an mir beobachtet das es mir trotz des Themas, oder gerade deswegen, es einige Zeit später besser geht. Neben der Situation für mich als Betroffener, versuche ich nämlich auch das Verständnis für diese beschissenen Krankheit zu dokumentieren. Ob das mir gelingt, entscheidet selber.

„Aus dem Rahmen gefallen“ Teil 2

So kam ich mir vor, als die Depression mich vor ca. 8 Jahren mit voller Wucht erwischte: Ich passte nicht mehr in meinen alten gesellschaftlichen Rahmen. Geschweige denn in den Beruflichen. Da ging gar nichts mehr. Ich versuchte irgendwie wieder hochzukommen, aber das gelang mir nicht. Alle Eckpunkte meines Lebens waren wie weggebrochen. Was lange positiv für mich erschien, bekam eine negative Sichtweise, da ich plötzlich außerhalb der ehemaligen Rahmenbedingungen lebte. Ein Leben im Chaos! 

depression 1

Sehr lange habe ich versucht diese Rahmenbedingungen wieder zu erreichen und mich in diesen einzuordnen. Es ging ja Jahrzehnte lang gut bis,  … bis die Depression kam. Ich musste aber lernen, dass ich diesen Weg wohl nie wieder gehen werde. Das Leben wie ich es vorher geführt habe, wird nie wieder so sein! Es brauchte eine lange Zeit, um diese Erkenntnis zu bekommen und noch mehr Zeit, sie zu akzeptieren. Ich arbeite heute noch ein wenig an dieser Thematik. Aber nur noch selten. Die alten Rahmenbedingungen sind noch irgendwo da, aber sie sind es nicht mehr für mich!

Morgens aufstehen und sich selber zu belügen wurde zur Routine. „Heute werde ich dieses, oder jenes machen!“ Müll runterbringen, etwas die Wohnung auf Vordermann bringen. Simple Dinge also, die ich aber während des ganzen Tages nie geschafft habe. Ich saß da und konnte es nicht. Immer wieder kamen die Gedanken, dass ich zu nichts zu gebrauchen war. Immer weiter verkroch ich mich in meine Ecke und wartete, dass der Tag an mir vorüberzog. Abends ging ich dann mit den Schuldgefühlen, wieder einmal verloren zu haben, ins Bett Motivationen von außen durch die eigene Frau, oder Freunde wurden zwar wahrgenommen, aber gleich im Keim erstickt. Selbst das schönstes Wetter sah ich nur noch wie durch einen dunklen Nebelschleier. Die Freude am Leben wurde immer mehr mir durch diese Krankheit entzogen. Selbst der Sex war unwichtig und ich fühlte mich nicht mehr als Mann. Ich war eine dunkle Masse in einer Ecke, die immer mehr in der dunklen Umgebung verschwand. 

Ich hatte aufgegeben! Das Leben wie es einmal war verschwand in den dunklen Gedanken, die sich in meinem Kopf immer mehr breit gemacht hatten. Diese Dunkelheit umhüllte mich immer mehr und irgendwann würde ich in dieser einfach verschwinden. Sollte so mein Leben gewesen sein, war das wirklich das Ende? 

P.S. Auch dieser Beitrag hat viel Kraft gekostet. Ich hoffe, dass es mir hinterher etwas besser geht. Denn über das Schreiben und Fotografieren, setze ich mich mit dem Thema Depression auseinander. Ob und wann Teil 3 kommt steht noch nicht fest. Brauche jetzt erstmal Ruhe.

Teil 1

Eine Antwort auf „Depression: (M)ein Erklärungsversuch Teil 2“

Lieber Holger,

irgendwo habe ich mal über die Wirkung des Tagebuch schreiben gelesen, darüber dass das Schreiben, das in Worte fassen hilft bzw. helfen kann von der aufgeschriebenen Situation durch das Worte suchen, das Formulieren (wieder) abzurücken.

Natürlich, die Situation ist damit nicht weg – aber ein erster Schritt zum Abrücken ist durch das in Worte fassen (wieder) getan.

Und ja , das fordert einen selbst und auch die eigene Kraft, ganz so wie Du es hier schreibst.

Heute ist für viele das Schreiben im Blog eine Art Tagebuch, das Photographieren vielleicht in einer Art auch.

Sieh also dass Du heute diesen Blogbeitrag geschrieben hast. Unter welchen Mühen kannst nur Du ermessen und wissen. Aber Du hast ihn geschrieben; Dich dazu aufgerafft und auch fertig gestellt.

Nimm also zumindest aus diesem Tag mit dass Du diesen Blogbeitrag geschrieben hast. Und anderes von diesem Tag, dass auch wieder erste Schritte waren. 🍀🌞

Grüsse !

vom Uwe 🙋‍♂️

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