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Der Rest

Depression und der totale Rückzug

Sie ist wieder da, die Depression. Doch im Gegensatz zu früher bin ich nicht total weg vom Fenster. Kein totaler Rückzug mehr.

Deswegen fühlt es sich nicht wirklich besser an, aber ich bekomme noch Dinge mit, die um mich herum geschehen. Das zeigt, das jahrelange Therapie und passende Medikation mich vor den dunkelsten Momenten bewahren.

Der totale Rückzug war nie eine gute Entscheidung, sondern auch von der Depression gesteuert. Die mir sagt, dass ich zu nichts tauge, dass alles was ich kann und habe nichts wert sei.

Gestern Abend war es mal wieder so weit. Ohne Vorwarnung hat sie wieder zugeschlagen. Keine Vorwarnzeit, von einem Moment zum anderen hat sie Platz in meinem Kopf genommen und ihr destruktives Gift verteilt. Da es schon spät am Abend war, nahm ich meine Medikation und ging ins Bett. So schlecht wie ich dann in den Schlaf kam, hatte ich schon lange nicht mehr. Auch die Nacht war eher suboptimal. Ich möchte gar nicht wissen wie diese ohne Medikation verlaufen wäre.

Heute Morgen ist sie immer noch da, aber trotzdem kann ich diese Zeilen schreiben. Das ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass die Depression zwar da ist, mich aber dieses Mal nicht zum totalen Rückzug zwingt. Darüber bin ich sehr dankbar.

Denn bei einem totalen Rückzug waren auch die Gedanken der Selbstzerstörung sehr mächtig in mir. Fotos und Webseite löschen, Kamera/Objektive verkaufen. Ich bin ja ein beschissener Fotograf! So würde die Depression ihre giftigen Gedanken in mein Hirn versuchen reinzusetzen.

Farn eingerollt

Alles was mir Freude bereitet muss zerstört werden, ich bin es ja nicht wert, Freude und Anerkennung zu haben. So die Gedanken bei einem totalen Rückzug. Doch mit diesen Zeilen, die ich hier schreibe, stelle ich mich diesen dunklen Gedanken entgegen. Sie sollen ans Licht kommen und dadurch ihre Kraft verlieren.

Deswegen schreibe ich auch von dieser Krankheit immer wieder. Hilft nicht immer, aber immer mal wieder. Es ist ein stetiger, sehr langsamer Prozess, diese Krankheit zu überwinden, oder zu lernen mit ihr zu leben.

Eine Antwort auf „Depression und der totale Rückzug“

Ich glaube, es ist so unheimlich wichtig zu erkennen, dass diese eigene innere Abwertung Teil der Depression ist und man dann eben nicht sofort alles in Frage stellt oder zerstört, was einem doch gut tut und ausmacht.
Auch wenn es in der Situation mehr als schwer fällt, zu erkennen, was die Depression unserm Hirn vorspielt – es ist einfach nicht wahr!
Danke, dass Du uns in Deinen Beiträgen zur Depression immer wieder darauf aufmerksam machst!

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