Depression: Was fühlt ein depressiver Mensch? Teil 2020/23

Am Abgrund …

… habe ich schon oft gestanden. Gedanken um den Tod gemacht. In den dunkelsten Stunden meiner Depression, war ich am Ende meiner Kraft und sah darin nur noch den letzten Ausweg. Warum ich den letzten Schritt nicht gemacht habe? Ich weiß es nicht. Woran ich aber glaube ist, dass meine Zeit einfach noch nicht gekommen war und eine höhere Macht sich meiner angenommen hat.

In dieser Zeit am Abgrund habe ich weder an meine Frau, oder die Kinder gedacht. Oft sagt man ja, dass jemand der einen Suizid begeht, egoistisch sei. Das man nicht an den Schmerz denkt, den man seiner Familie und Freunden zufügt. Was für ein Schwachsinn!!! Wie oft habe ich daran gedacht, dass ich nur noch eine Belastung für alle Menschen sei, die ich liebe. Das ich zu nichts anderes nütze sei, als den Sauerstoff von anderen Menschen zu stehlen.

Ich hatte auch keine Angst den nächsten Schritt zu gehen. Ich sah hinunter, ohne mir irgendwelche Gedanken zu machen. Völlig teilnahmslos stand ich dort. Denn wenn mich eine depressive Episode erwischt hat, waren keine Gefühle mehr da. Ich war wie fremdbestimmt. Die Krankheit hatte mich zu 99,9% im Griff und schob mich weiter dem Abgrund entgegen.

Depression

Wenn ich heute darüber nachdenke, kann ich wirklich aus vollem Herzen sagen, dass ich sehr dankbar bin den letzten Schritt nicht gemacht zu haben. Das Leben kann auch mit Depressionen lebenswert sein!

Sich dabei endlich Hilfe zu holen, war der wichtigste Schritt in eine andere Richtung. Mir einzugestehen, dass ich mein Leben nicht mehr im Griff habe. Sich selber auch Zeit zu geben, um langjährige Muster zu durchbrechen. Trotz Rückschläge, nicht wieder in diese alten Muster fallen. Sondern neue Schritte, in eine bessere Zukunft zu wagen.

Nach stationären Aufenthalten und einer immer noch andauernden, ambulanten, Therapie, kann ich wieder lachen und lieben. Ich spüre die Sonne, wie auch den Regen auf der Haut und es fühlt sich gut an.

Bin ich geheilt? Wohl kaum, denn ich habe immer noch depressive Episoden. Doch ich habe gelernt, mit dieser Krankheit zu leben! Ja es ist eine KRANKHEIT und kein Unwohlsein, oder man ist schlecht gelaunt. Dinge geschehen in meinem Kopf die immer wieder versuchen mich an diesen Abgrund zu schieben.

Doch dank Therapie und auch Medikamenten, gehe ich diesen Weg nicht weiter. Ich weiß in den guten Zeiten, dass ich auch mit/trotz meiner Krankheit, ein liebenswerter Mensch bin! Diese Gedanken sind diese 0,1% die mich vor dem letzten Schritt bis jetzt bewahrt haben.

Ich arbeite weiterhin daran, diesen Prozentsatz zu erhöhen, was langwierig ist, aber dennoch lohnenswert! Ich möchte jedem Betroffenen zurufen: „Lasst euch helfen, ihr seid es wert!!!“ 

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