Fotografie: Ab wann ist es Kunst und wer entscheidet das?

Oft sitze ich hier am Rechner und schaue mir Fotos an. Und damit meine ich nicht meine eigenen. Dann lese ich, dass der Fotograf ein einzigartiger Künstler sei und mit seinen Fotos etwas ganz Besonderes geschaffen hat. Doch wer entscheidet das?

Immer wieder erwische ich mich bei der Frage, was daran Besonderes ist. Sicher, die Bilder sind gut gelungen, doch ich kenne viele Fotografen deren Fotos gut gelungen sind. Doch diese werden nicht im Bereich Kunst angesiedelt. Sie sind „nur“ gut gelungen.

Fotografie und Kunst

Was, oder wer entscheidet, ob ein Foto einen künstlerischen Wert hat, oder nicht? Der Fotograf selber? Die Betrachter seiner Bilder. Kunstkritiker vielleicht?

Meine Frage an euch ist, ab wann kann man bei der Fotografie von Kunst reden und gibt es dafür eine Regelung?

Ich bin gespannt auf eure Antworten hier. 

11 Kommentare

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Ich versuch es mal. Kunst liegt im Auge des Betrachters. Ab eine Menge an Betrachter wird eine Schwelle überschritten. Desweiteren gibt es noch Autoritäten, die das verstärken können.
Dann wird aus einem “ist ganz gut” ein “das ist Kunst”.

Es muss jeder für sich entscheiden.

Eine schwierige, fast philosophische Frage. Ich seh das so:

Kunst basiert auf einer oder mehrerer Fertigkeiten. Die künstlerische Person kann dementsprechend etwas besonders gut. Das kann im Handwerk liegen, in der Technik, im Stil oder beispielsweise auch dem Erkennen (und Darstellen!) von Zusammenhängen.

Wer immer es schafft, eine dieser Fertigkeiten (oder noch weitere) in der Fotografie anzuwenden und auch regelmäßig als Ergebnis zu liefern, erscheint mir ein Künstler zu sein. Kunst passiert nicht einfach, ist nicht zufällig.

Ob diese Kunst nun wahrgenommen und/oder angenommen wird, hängt von vielen Faktoren ab und beschreibt nicht die Qualität der Kunst.

Der Künstler entscheidet, Kunst zu liefern. Jeder andere da draußen entscheidet lediglich, ob er etwas als Kunst wahrnimmt oder nicht.

Ein Beispiel zu Veranschaulichung, was ich meine:
Ein Urlaubsschnappschuss ist genau das, ein Schnappschuss. Das hat nichts mit Kunst zu tun. Ein zufällig tolles Foto mag vielen gefallen, hat aber mMn auch noch nichts mit Kunst zu tun. Wenn jemand aber regelmäßig Fotos im selben Stil (derselben Bearbeitung, vielleicht noch mit einer Gechichte) abliefert und das jederzeit reproduzieren kann, DANN reden wir ganz sicher von Kunst.

Ich denke das Kunst jeder für sich definiert aber für die Bekanntheit und den künstlerischen Wert ist eine ausgeklügelte Marketingstrategie notwendig. Nur wer planvoll sein Image und damit seine Fotokunst aufbaut, Netzwerke nutzt und sich positioniert wird als Künstler wahrgenommen und auch als solcher bezeichnet. Das gilt dann natürlich auch für seine Bilder. Für mich ist ein Bild „Kunst“ oder einfach nur gut, wenn es zu mir spricht und dich mir die Aussage erschließt.
Da hat wohl aber jeder seinen eigenen Anspruch….

@ Andrea Becker

Nicht nur die Marketingstrategie ist wichtig, man muss auch den richtigen Stallgeruch mitbringen. In Deutschland einen Quereinstieg in die Kunstszene zu schaffen, wenn man nicht von einer DER Foto- oder Kunsthochschulen kommt, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit (auch wegen des dadurch fehlenden Netzwerks). Darüber sprechen wir auch ein wenig in dem o.g. Podcast

Über kaum ein anderer Begriff als »Kunst« lässt sich so herrlich fabulieren.
Im Englischen gibt es die Begriffe Art und Crafts, also Kunst und Kunsthandwerk. Mein Eindruck ist, dass es im Deutschen, wegen der Namensgleichheit oft zu schnell über einen Kamm geschert wird. Das eine ist die (kunst)handwerkliche Fähigkeit, dass andere sehe ich einer Interpretation, die aus dem Künstler/der Künstlerin selbst kommt. Ein Gemälde perfekt zu kopieren ist sicher eine hohe handwerkliche Kunst. Das Motiv nach seinen eigenen Vorstellungen auf ein Medium zu bannen, hat einen eigenen künstlerischen Wert.
In der Kunst geht es auch oft (oder immer?) darum, gängige Regeln zu brechen, die man sich vielleicht vorher beigebracht hat, oder die einem auferlegt wurden.
Dazu fällt mir der Begriff »Ausbrechen« ein, der für mich sehr passend im Zusammenhang mit Kunst erscheint.
Wann ist man als Fotograf nicht nur Knipser, sondern auch Künstler?
Ich denke, sobald man anfängt sich mit seiner eigenen Gestaltung des Bildes zu beschäftigen. Was kommt rein ins Bild und was nicht. Wo liegt der Fokus? Auch gezielte Unschärfe. Und natürlich kann man sein Foto noch nach-bearbeiten. Bereiche abdunkeln, aufhellen einfärben, verfremden oder drucken und im Bilderrahmen durch den Reißwolf ziehen 😉

@ Erik Schlicksbier

Aber wenn ich Marketing und Stallgeruch als Notwendigkeit sehe, ist es dann noch Kunst? Oder bediene ich da den Markt und schaffe „Kunst“ weil es gerade so in dieser Form in ist? Für mein persönlichen Verständnis hat Kunst auch etwas mit Freiheit zu tun. Das zu machen, was mein Herz mir auferlegt und nicht das zu machen was der Kunstmarkt gerade fordert.

Wenn ich meinen Kindern, Enkel und einigen Bekannten ein Wow entlocke ist es für mich Kunst und das Lob Bezahlung genug. Wenn einige meinen Geld dafür eben zu müssen, sag ich Danke und freue mich.

Ich mache keine Kunst.
Ich mache Fotos.
Für mich.

Was andere darin sehen ist nett, wenn es ein konstruktives Feedback ist, dann freue ich mich.
Wenn jemand Geld dafür geben würde, dann würde ich es nehmen, hätte dann aber Angst davor was danach kommt. Die Aufmerksamkeit, der Anspruch hier wieder nochmals sowas „abzuliefern“.

Wann ist also ein „Foto“ Kunst? Dann, wenn der Erzeuger davon überzeugt ist gerne im Mittelpunkt zu stehen und eine weiter steigende Qualität abliefern zu können. Jetzt braucht er nur noch einen Käufer.

Puh das ist natürlich ein Begriff der mich auch umtreibt seit vielen Jahren.
Kunst
Ich kann hier nur ein paar lose Gedanken und Erfahrungen niederschreiben. Natürlich schmücke ich mich auch gerne mit diesem Wort. Es macht einen besonders, man hebt sich ab. Es gibt mir ein gutes Gefühl wenn mich jemand als Künstler bezeichnet.
Aber bin ich das wirklich?
Das frage ich mich oft.
Was die Fotografie betrifft glaube ich dass man was zu sagen haben muss. Fotografie ist Kommunikation. Ich wünsche mir im besten Fall dass der Betrachter mich versteht durch meine Bilder. Eine Message aussenden. Zum nachdenken anregen und Menschen berühren. Das möchte ich.
Wenn jemand ein Kunstwerk kauft und er sich zu Hause hinstellen oder aufhängt dann beeinflusst es sein alltägliches Leben im Handeln im Denken im Fühlen. Wenn ich in dieser kleinen Proportion Einfluss auf den Alltag eines Menschen nehmen kann in deren Wohnung mein Bild hängt dann ist das für mich Kunst. Kunst ist Kommunikation

Aber ich hab in den letzten Jahren festgestellt dass das Wort an sich auch eigentlich gar nicht so wichtig ist. Man soll es nicht so wichtig nehmen und sich von der großen Kunstszene nicht so beeindrucken lassen. Meine Bilder hängen in vielen Ausstellungen und ich habe schon viele verkauft. Ich habe viele Menschen berührt mit meiner Geschichte und das ist eigentlich das was ich machen möchte. Die Welt im positiven verändern durch meine Fotografie. Wenn auch nur im kleinen bei irgend jemanden zu Hause.

Vor ein paar Jahren hatte ich mich in der katholischen Akademie in Schwerte beworben. Sie haben immer viel Kunst dort hängen. Und eine Kunst Professorin kuratiert das ganze. Mensch und Begegnung stünde bei Ihnen im Mittelpunkt. Okay dachte ich meine Street Ausstellung TIMELINES ist perfekt für diese Begegnungsstätte.

Nach der Frage von Professor Dr. Stefanie Lieb ob ich den Kunst studiert hätte war das Gespräch sehr schnell beendet.
Klar es hat sich Ernüchterung breit gemacht. Sie entscheidet wer Künstler ist was Kunst ist. Sie ist eine Art GateKeeper

Das hatte mich doch etwas entmutigt. Und ich stelle mir oft die Frage ob ich das überhaupt will dass ich in diesen Kreisen irgendwann von anderen gesteuert werde. Sie entscheiden über das Konzept sie entscheiden was ausgestellt wird sie liegen die Preise fest.

Abschließend möchte ich sagen ich glaube nicht unbedingt dass wir einen Galeristen brauchen um gesehen zu werden. Ich glaube wir haben heute sehr viel Möglichkeit zur Eigen Vermarktung. Das finde ich legitim und selbstbewusst.

Vor Jahren hat mich einen Satz von Eric Kim sehr beeinflusst
„ don’t care what others say“

Kunst geht für mich immer mit einer Empfindung einher, z. B. ein Erlebnis aus der Kindheit, ob positiv oder negativ. Es berührt mich, oder eben nicht. Es stellt dann natürlich eine Wertung meinerseits dar, jedoch könnte der Künstler mir dann zugute halten, ich habe mich damit beschäftigt. Wenn er dies zulässt, und vielleicht daraus seine Energie schöpft, und nicht aus irgendwelchen Urkunden die dies belegen.

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