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Fotografie: Lass dich nicht blenden von der Blende?

In diesem Beitrag möchte ich ein wenig auf die Blendenfunktion eingehen. Nein keine Panik, ich mache jetzt hier keinen auf Erklärbär und schreibe zum 1.000 Mal wie Blende zu ISO usw. funktioniert.

Ich möchte mal ein wenig bei einem anderen Punkt, bezüglich der Blende, nachhaken und wenn ich nicht wirklich weiter komme mit meinem Latein, dann seid ihr gefragt.

Welche Blende darf es denn sein?

Bei der Kaufentscheidung für ein Objektiv ist oft die durchgehende Blende ein Kriterium. Sind da F2.8 ausreichend, oder doch lieber F1.8? Darf es noch etwas größer sein, also F1.4 oder ganz verrückt F0.95?

Ich selber habe mit Objektiven mit einer durchgehenden Offenblende von F1.2 schon gearbeitet, habe aber diese nur selten bis gar nicht genutzt. Denn je größer die Offenblende, desto geringer ist der scharfe Abbildungsbereich beim Foto. Wenn man also mit einer Offenblende von krassen F0.95 ein Porträt fotografiert, muss man damit rechnen, dass die Nasenspitze scharf ist, aber die Augen schon wieder nicht, oder umgekehrt.

So nun kommen wir zu dem Punkt, wo ich nicht klarkomme. Ich bin aber auch in diesem technischen Bereich nicht ganz fit. Wenn ich mir Reviews ansehen wird z.B. bei einem Objektiv mit hoher, durchgehender Blende dazu geraten, lieber abzublenden auf 4.0 oder sogar noch mehr. Ziel ist es damit eine gute Schärfe auf dem gesamten Foto zu erreichen.

Warum kaufe ich also ein Objektiv mit einer großen durchgehenden Blende, wenn ich hinterher diese kaum bis wenig nutze? Reicht da nicht auch ein Wert von F2.8 oder sogar gleich ein Objektiv mit F4.0?

Vielleicht könnt ihr mir bei der Auflösung dieser Geschichte helfen. Ich würde mich freuen und ich glaube einige meiner Leser auch.

Infos für das „Für und Wider“ bitte in den Kommentarbereich schreiben, Danke!

14 Antworten auf „Fotografie: Lass dich nicht blenden von der Blende?“

Moin.

Naja. Wenn ich 0,9x habe und 1 Blende abblende habe ich mehr Schärfe als ein Objektiv mit Anfangsblende 1,X. Brauchen. Ja. Wenn ich auf Hochzeiten in schlechten Lichtverhältnissen arbeiten muss sind Blende von 1,4 schon hilfreich. Besser als ISO hochzufahren. Was heutzutage jetzt auch keine großes Thema ist.

Privat kaufe ich mir Objektive mit 2,0er Anfangsblende. Mir persönlich reicht es. Und Unterwegs nehme ich eh meist nur noch Blende 5,6. also meist für Street.

Wenn ich Portraits mache habe ich meist 2,8er Blende und entweder nah dran oder leichtes Tele. Mir langt es. Natürlich kann man mit kleinerer Blendenzahl noch schöner freistellen. Aber a) muss der Fokus definitiv sitzen und b) ist es für mich nicht entscheidend.

Einfach gesagt:
Ein 2.8er Objektiv auf f4 abgeblendet ist i.d.R. schärfer als ein Objektiv was mit f4 als Offenblende startet. 🙂 (Sofern beide Objektive aus einer ähnlichen “Güteklasse” kommen.)

Mein lichtstärkstes ist das 50mm f1.1 (für die Leica), dicht gefolgt vom Sigma 50mm f1.4 ART (für Nikon). Beide auch tatsächlich oft mit Offenblende in Benutzung, in der Regel aber auf f1.8 abgeblendet.

Btw hängt die Tiefenschärfe auch vom Abbildungsmaßstab, der Entfernung zum Motiv ab. Je näher dran, desto geringer ist die Tiefenschärfe. Je weiter weg, desto mehr, da spielt dann auch eine weit offene Blende nur eine geringe Rolle. 🙂 Bei weiter entfernten Motiven bei geringem Licht ergibt ein Objektiv mit hoher möglicher Offenblende daher Sinn.

Zudem ist ein 0.95 ein Nachtsichtgerät mit dem es möglich ist frei Hand zu photographieren wenn das Auge nur noch Umrisse und Schemen wahrnimmt.

Aber warum ist das so? Wenn ein F2.8 bei F4.0 schärfer ist, als ein Objektiv das bei F4.0 anfängt? Technisch/Physikalisch nicht anders möglich?

Das ƒ4.0 wird auch schärfer bei ƒ5.6, das physikalische Prinzip gilt für alle Linsen. Je nach Aufwand der Konstruktion kann das aber mehr oder weniger stark ausfallen (Beispiel Olympus, die Pro Linsen sind extrem scharf, das 75er 1.8 wird nicht umsonst “das Skalpell” genannt).

Hallo, ich denke die Objektive sind für Ihren jeweiligen Einsatz optimiert.
D. H. ein Objektiv mit hoher Lichtstärke ist so modifiziert das es mit hoher Lichtstärke das Zentrum scharf abbildet. Und mit noch guter Lichtstärke den kompletten Bildkreis scharf abbildet. Dafür aber früher wieder nachlässt . Bei einem Objektiv mit normaler Lichtstärke liegt der “sweet spot” bei f4-f8 für mehr Tiefenschärfe.

Beispiel: ich habe ein Objektiv neuster Bauart, fast egal von welchem Hersteller, solange es aus dessen Premium Baureihe stammt – hier hast Du gute Chancen, dass die Offenblende eine ganz hervorragende Abbildungsleistung bietet und das Abblenden nur dazu führt dass du einerseits weniger Licht durchlässt und andererseits mehr Schärfentiefe zauberst.
Beispiel 2: Du hast zwei ältere Objektive, eines mit 2.8 das andere mit 4.0 – beide sind aber offenbelndig nicht wirklich super. Also gilt die veraltete Regel eine, besser zwei, Blendenstufen abblenden, das Resultat ist eine nutzbare Blende 4.0 bei dem einen und eine nutzbare Blende 5.6 Bei dem anderen Objektiv – das ist schon ein erheblicher Unterschied, wie ich finde, zumal du spätestens bei Blende 11 in den abereich der Beugungsunschärfe kommst – so bleiben dir bei dem 4.0 Objektiv eigentlich nur zwei Blenden Gestaltung (5.6 und 8), das kann sehr einschränkend sein.
Aber sieht man diese Schwächen überhaupt? Nun, das kommt darauf an, ich habe definitiv Objektive gehabt, die ich unter einer zweifachen Abblendung nicht gern genutzt habe, weil ich deutlich sichtbare optische Fehler hatte (meist Randunschärfen beim WW oder / und auch gern chromatische Aberationen – auch nicht schön).
Die Tatsache das jedes Objektiv abgeblendet besser wird (bis zu einem Höhepunkt, danach durch Beugung wieder schlechter) liegt übrigens in der Physik: die Blende ändert den Strahlengang derart, dass sich das auf die Abbildungsleitung auswirkt, in einfachen Worten gesagt.
Moderne Top Konstruktionen reagieren im Grunde genau so, aber oft auf so hohem Niveau, das abblenden zwar messbar, aber nicht sichtbar bessere Ergebnisse bringt. Bei aller Begeisterung für das Fotografieren mit alten Objektiven durchaus ein Grund über moderne Konstruktionen nachzudenken 🙂

Hallo Holger,

ich bin ein bekennender Offenblendenfan. Man kann dann so richtig schön freistellen. Ich blende in der Regel nur dann ab,
wenn ich in Gefahr laufe zu überbelichten.

Da kommen mir die adaptierten Projektionsobjektive entgegen, denn die haben gar keine Blende 🙂

LG Bernhard

Objektive kann man optisch aufgrund der Physik und der Bauart nur auf einen Blendenwert bei der Konstruktion rechnen. Nun liegt es am Hersteller, diesen Wert festzulegen. Meist rechnen die Hersteller nicht mit der größtmöglichen Blende sondern 2-3 Stufen darunter. Die Güte des Objektives macht den Qualitätsabfall jenseits des optimalen Wertes aus. Also bei welcher Auf- und Ablendung vom Optimum wird das Objektiv merklich schlechter in der Abbildungsleistung.

Die Aussage von Uwe Black muss relativiert werden: Tatsache ist das jede Optik – Konstruktion ein Kompromiss ist. Als einfaches Beispiel: wenn man ein Objektiv bei Offenblende von Rand zu Rand scharf haben will, dann braucht man sehr große Durchmesser der Frontlinse – handelt sich damit, neben Preis, Gewicht und Größe aber eine ganze Reihe neuer Probleme ein: Verzeichnungen, chromatische Aberrationen usw.
Diese kann man dann wieder anders korrigieren, zum Beispiel durch aspherische Linsen, die aber leider zu einem unruhigen und schlicht unschönem Bokeh führen. Und so weiter…
Die Art des Kompromiss hat sich über die Jahre durchaus verändert.
So ist es heute so, dass die meisten Konstruktionen voll offenblend – tauglich sind, auch wenn nach wie vor ein gewisser Abfall der Schärfe zum Rand in feststellbar ist. Nur: diese Bereiche liegen in der Praxis bei offener Blende eh in der – gewünschten – Unschärfe, man kann sie also konstruktiv gut in Kauf nehmen. Praktisch auch. Kritisch wird es aber dann, wenn man voll aufgeblendet zum Beispiel eine Landschaft fotografiert – dann sieht man plötzlich diese Bildfehler!
Zusammenfassend: wirklich moderne Konstruktionen sind in der Tat offenbelndentauglich, aber nicht bei jeder Anwendung.
Für euch Altglas (sprich: für Analog gerechnete) Freaks gilt: besser zwei Blenden abblenden 🙂

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