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Fotografie: … und die Entschleunigung

Entschleunigung, ein Begriff, der immer wieder im Bereich der Fotografie auftaucht. Zwischenzeitlich mir persönlich sogar zu oft. Es gibt Fotografen, die darin sogar eine meditative Religion sehen. Einige Fotografen, die sich rein mit der analogen Fotografie beschäftigen meinen sogar, dass nur die analoge Fotografie die wahre Entschleunigung bringt. Das ist mir doch etwas zu viel des Guten.

Dabei ist der Begriff der Entschleunigung gar keine so schlechte Bezeichnung für die eine persönliche Lebenseinstellung, auch außerhalb der Fotografie. Denn unser Leben ist nun mal oft hektisch und stressig. Zu lernen in solchen Situationen sich wieder runterzuholen und mal auf die Bremse zu treten ist eine gute Sache. Klar kann dabei auch die Fotografie hilfreich sein, muss aber nicht zwangsweise.

Doch was bedeutet für mich der Begriff Entschleunigung und in welchem Bezug steht meine Fotografie und Bildbearbeitung dazu?

Früher bin ich mit der Kamera irgendwie auf die „Jagd“ gegangen. Auf der Suche nach einem tollen Motiv. Wenn ich dann was gefunden habe, wurden schnell ein paar Bilder gemacht und es ging dann wieder nach Hause. Dort angekommen wurde gleich die Speicherkarte in den Computer eingelesen und die Bilder wurden sofort bearbeitet und gleich auch ins Netz gestellt. Dann wurde nervös gewartet, ob und wie auf das Foto reagiert wurde.

Das hatte wohl so gar nichts mit Entschleunigung zu tun.

Zwischenzeitlich gehe nicht mehr auf die „Jagd“. Zwar habe ich fast immer meine Kamera dabei, aber nicht immer komme ich mit einem Foto nach Hause. Damit kann ich gut leben. Es gibt Orte wie „meinen See“ wo ich mich einfach hinsetze, die Kamera auspacke und dann nur noch still die Szene in mich aufnehme. Es kommt dabei immer wieder vor, dass ich nach einiger Zeit die Kamera wieder einpacke, ohne dass ich ein einziges Foto geschossen habe. Dabei kommt kein Gedanke des Bedauerns hoch. Im Gegenteil, ich fahre zufrieden wieder nach Hause.

Fotoausrüstung am See

Und wenn ich dann doch mal Fotos gemacht habe, wird die Kameratasche, oder der Fotorucksack daheim erst einmal in die Ecke gelegt. Keine selbstauferlegte Hektik mehr sofort die Bilder zu sichten und zu bearbeiten. Dabei kann es sein das ich erst Tage danach mir die Fotos ansehe.

Auch bei der Bildbearbeitung hat sich einiges getan bei mir.

Früher, schnell schnell Kontrast, Schärfe, Belichtung, Beschnitt usw. und nach wenigen Minuten war das Bild auch schon im Internet zu finden.

Heute lasse ich die Fotos auf mich wirken am Monitor und entscheide dann in Ruhe, wohin die Reise mit der Bearbeitung gehen soll. Zwischenzeitlich habe ich für mich auch die künstlerische digitale Bearbeitung entdeckt, die mir noch mal viel mehr Raum gibt für meine Interpretation vom Foto. Aber auch da wird sich Zeit gelassen. In der Regel bleibt jedes Foto, das ich „fertig“ habe, mindestens einen Tag auf der Festplatte liegen. Wenn ich mir das Bild frühstens am nächsten Tag ansehe und es mir immer noch gefällt, dann wird es vielleicht veröffentlicht. Genau, vielleicht! Ich muss nicht alle meine Bilder hochladen, denn dann wäre es eine Bilderflut und macht in meinen Augen keinen Sinn.

Ob das nun alles was mit Entschleunigung zu tun hat, oder eine ganz normale Entwicklung einen Fotografen ist, das mögen andere beurteilen. Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Freude beim Fotografieren.

4 Antworten auf „Fotografie: … und die Entschleunigung“

Moin Holger,
ich finde, deine neue Webseite passt hervorragend zu diesem Beitrag: Weniger ist mehr. Sie ist klar und übersichtlich gestaltet und nicht mit buntem Schnickschnack überfrachtet – das gefällt mir.
Das Wort “Entschleunigung” ist in der Tat schon ziemlich ausgelutscht. Diese Veränderung (nicht nur) in der Fotografie bemerke ich bei mir aber auch, führe das aber eher auf das zunehmende Alter zurück (Hilfe… das klingt irgendwie schrecklich ;-)). Man muss sich und anderen nichts mehr beweisen, ist im Leben angekommen und (hoffentlich) mit sich im Reinen. Ich merke diese Einstellung in ganz vielen Bereichen meines Lebens und es fühlt sich echt gut an!

Kann mich Dir ebenfalls nur anschließen. Auch bei mir ist die Vorgehensweise eine ähnliche. Dennoch, obwohl die Begriffe “Entschleunigung”, “Achtsamkeit” und vieles andere mehr, ziemlich ausgelutscht sind, treffen sie halt doch oft zu. Und ob man das dann meditative Fotografie oder entschleunigte Fotografie oder Zen-Fotografie etc. nennt, ist dann auch wurscht …

Hallo Holger,
ja, die Fotos später anzuschauen, hat was. Hab schon öfter festgestellt, dass ich die Bilder am nächsten Tag anders sehe als noch spät am Abend, nachdem ich von einer Foto-Tour müde nach Haus gekommen bin und dann noch um 23 Uhr Lightroom gestartet hatte um “noch schnell 150 RAW-Dateien hochzuladen, weil ich unbedingt sehen wollte wie die Bilder geworden sind.

Das sehe ich zwischenzeitlich genau so. Schön das du auf der Hörerkarte der Fotolinsen mit drauf bist.

Matthias, Chrissy und ich würden gerne “Klausurtage” auf Irland verbringen.

Jetzt brauchen wir nur noch Sponsoren. 😂🙈

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