Podcast mit Nachwehen

Einige von euch wissen vielleicht das ich mit meinem Freund Matthias meinen Podcast betreibe und das schon fast 2 Jahre lang. Thema ist alles rund um die Fotografie und unsere Sichtweise dazu.

Am Montag haben wir unsere 50. Aufnahme gemacht, die heute veröffentlicht wurde. Diese Folge ist etwas, wenn nicht ganz anders. Das Thema Fotografie wird zwar angekratzt, mehr aber auch nicht.

Matthias hatte mir den Vorschlag gemacht über meine Fotografie im Zusammenhang mit meiner Depression zu sprechen. Ich fand die Idee gut und stimmte zu. Er machte sogar einen kleinen Fragenkatalog, damit ich mich darauf einstellen konnte, was da auf mich zukommt.

Hier der Link zum Podcast: Die Fotolinsen / Folge 50

Das Gespräch entwickelte sich in eine Richtung, wo die Fotografie im Zusammenhang mit meiner Erkrankung (Es ist eine Krankheit und keine Willensentscheidung!) in den Hintergrund trat. Aus der jetzigen Sicht ging es zu 90% um meine Geschichte mit meiner Depression. Die Zeit verflog und nach gut einer Stunde beendeten wir die Aufnahme.

Kurz darauf kamen die „Nachwehen“ und zwar sehr schnell. Als erstes fiel mir auf das ich ziemlich erschöpft war. Leichte Kopfschmerzen meldeten sich bei mir an. Dann ging plötzlich gar nichts mehr. Gedanken kreisten um die Aufnahme und das doch noch so vieles fehlte, was ich hätte sagen können.

Gleichzeitig wurde aus der Erschöpfung eine Niedergeschlagenheit. Das, was ich während einer Stunde erzählt hatte, wurde wieder sehr real für mich und so fühlte es sich auch an. Ich wurde durch die gesprochenen Worte wieder an meine langjährige ambulante Therapie erinnert. Viele dieser Dinge, die ich während der Aufnahme gesagt habe, haben teilweise Jahre gedauert, bis ich sie dem Therapeuten erzählen konnte.

Ich fiel wieder in ein Loch, aber längst nicht so tief, wie ich es schon durchlebt hatte. Ich hatte dieses Mal ja einen Anhaltspunkt und konnte erkennen, warum das so geschah. Das Gespräch hatte einiges wieder nach oben gebracht und das wiederum brachte mich nach unten in das dunkle Loch. Ich fing an mir Gedanken zu machen was da gerade geschehen ist und die Antwort war relativ einfach. In nur einer Stunde habe ich so viel von mir und meiner Krankheit erzählt, wofür ich therapeutisch Jahre gebraucht habe. Viele Dinge wurden angerissen und blieben teilweise offen stehen. Es fühlte sich so an als wären Jahre von Therapiestunden in einer zusammengefasst worden. Das dieses natürlich mit mir was macht, dürfte klar sein.  

Heute ist Mittwoch, also 2 Tage nach der Aufnahme. Der Druck lässt langsam nach und so kann ich heute auch darüberschreiben. Klare Ansage, es war hart für mich diese komprimierte Stunde, aber sie war auch ein weiterer Schritt für mich, mit meiner Krankheit zu leben. Ich danke an dieser Stelle Matthias, der diese Aufnahme möglich gemacht hatte. Ich selber wäre nicht auf die Idee gekommen, immerhin machen wir ja eigentlich einen Podcast, der sich mit dem Thema Fotografie befasst.

Als Schlusswort wende ich mich an alle Betroffenen: „Holt euch fachliche Hilfe! Ihr seid es wert!“

Nachtrag: Ob ich so einen Podcast oder Ähnliches noch mal machen würde? JA! Ich erzähle hier einen Teil meiner persönlichen Geschichte, damit andere Betroffene sehen, das sie nicht alleine mit dieser Krankheit stehen. Außerdem erhoffe ich mir, dass einfach etwas mehr Verständnis für diese Krankheit aufgebracht wird. Ich erwarte kein Mitleid! Das hilft mir nicht weiter! Ich möchte Verständnis!

1 Kommentar

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Danke für diese Sendung, Holger!
Deine Erfahrung hat mein Wissen um diese Krankheit wieder etwas erweitert, auch, wenn Du nicht die ganze Komplexität in eine Stunde packen konntest, war es sehr gut.
Ein kleines Stück weit kann ich diese dunklen Gefühle nachvollziehen.
Beste Grüße
Alex

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